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„Stiftungen können stabilisierend wirken“ – Sumeet Gulati ist neues Kuratoriumsmitglied

Dr. Sumeet Gulati ist ein Mensch mit Fokus: Wenn er sich einer Sache widmet, ist dies meist ein langfristiges Engagement. So investiert Gulati bereits seit mehr als 25 Jahren in mittelständische Unternehmen und seit einigen Jahren nur noch in „gute Unternehmen“, die auch der Gesellschaft oder dem Planeten einen Mehrwert bieten. Mit anderen Unternehmern gründete er 2014 die Genui GmbH und investiert seit 2019 dort gezielt in Unternehmen, die finanziellen Erfolg und positive Wirkung verbinden sollen. Darüber hinaus bekleidete der studierte Wirtschaftsingenieur bisher erst ein einziges Amt in einem Kuratorium, in der von ihm initiierten und mitgegründeten Unternehmerstiftung für Chancengerechtigkeit, die etablierte Sozialunternehmen in den Bereichen Bildung, Teilhabe und Chancengerechtigkeit fördert. Bisher, denn: Seit dem 1. Januar 2026 ist Sumeet Gulati Mitglied im Kuratorium der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.

„Es braucht Konsens“: Warum es sich lohnt, aufrichtig zu streiten, um entschlossen zu handeln

Sumeet Gulati folgt damit auf Fritz Horst Melsheimer, der zu Ende 2025 aus Altersgründen der Satzung entsprechend ausschied. Vor ihm war zuletzt 2023 Prof. Dr. Alena Buyx als neues Mitglied ins Gremium gekommen. Gulati kam auf Anregung des Vorsitzenden Prof. Dr. Burkhard Schwenker – und entschied sich in erster Linie aufgrund inhaltlicher und wertebasierter Gemeinsamkeiten für unsere Stiftung: So bilden Chancengerechtigkeit und Teilhabe auch den Kern unserer Arbeit im Bereich Bildung & Erziehung, vor allem in Initiativen wie dem Mentoring-Projekt WEICHENSTELLUNG und dem Workshop-Angebot „Gemeinsam wachsen“. Auch mit unserem Leitspruch „Aufrichtig streiten, entschlossen handeln“ kann sich Gulati gut identifizieren – zumal dieser die Arbeitsweise in seinem Investitionsgeschäft widerspiegele: „Was auch immer wir tun – wir ringen darum, das beste Argument auf den Tisch zu bringen“, berichtet Gulati über seine Arbeit. „Wenn wir dann über dieses Argument aufrichtig streiten, wollen wir zu einem Entschluss zu kommen, hinter dem sich alle versammeln können“, so der Unternehmer. „Wir alle haben Leidenschaften, aber es braucht auch Konsens. Eine klare Einheit gelingt nicht immer, weil wir Menschen sind – aber sie bleibt das Ziel.“

In polarisierten Kontexten können Stiftungen stabilisieren

Dieses Ziel ist für Gulati auch ganz grundsätzlich ein Imperativ für Stiftungen – besonders in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten. „Was der Staat nicht darf und der einzelne Bürger nicht kann, das kann eine Stiftung leisten“, sagte einst unser Stifter Gerd Bucerius. Gulati würde Bucerius‘ Worte im heutigen Kontext leicht ergänzen: „Stiftungen können Partnerinnen sein für sowohl Politik als auch gesellschaftliche Gruppen und hier vor allem stabilisierend wirken.“ Die Polarisierung gesellschaftlicher Debatten habe zur Folge, dass vor allem weniger privilegierte Menschen an den Rand gedrängt würden und politische Kräfte ihnen aufgrund fehlender starker Mehrheiten und Mittel nicht immer so konkret zur Seite stehen könnten, wie es ihr Wunsch wäre. „Es geht für mich also weniger darum, was der „Staat nicht darf“, sondern darum, was der „Staat gerne will, aber nicht kann. Hier können Stiftungen ansetzen“, so Gulati.

Kann man den gesellschaftlichen Nutzen von Unternehmen messen? „Es ist nicht unmöglich“

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler achtet dafür besonders auf das entschlossene Handeln und sieht seine Position als „ungeduldiger Unternehmer“ im Kuratorium der Stiftung vor allem darin, konkreten Ideen zur Umsetzung zu verhelfen. Dabei stünden Netzwerke und Informationsaustausch im Fokus: „Wenn das Kollegium der Stiftung Ideen hat oder meine Kontakte von Nutzen sein könnten, bin ich jederzeit zum Austausch bereit“. Im „Humankapital“ und dem Engagement von Zivilgesellschaft und Wirtschaft sieht der Hamburger Gulati eine der größten „Ressourcen“ Deutschlands – gerade deswegen hat er sich dem gesellschaftlichen Mehrwert auch als Investor verschrieben. Das Team seiner Firma Genui investiert in drei Fokusbereichen: Gesundheit, Digitalisierung und nachhaltige Transformation – laut Gulati die Themen, die Deutschland, Österreich oder die Schweiz mit Blick auf Demografie und Ökologie am meisten beschäftigen. „Die Messbarkeit des gesellschaftlichen Nutzens einer Firma ist sicher anfechtbar – aber nicht unmöglich. Es geht darum, diesen Nutzen überhaupt zu hinterfragen und praktisch anzugehen – und dafür gibt es durchaus Tools. Wir haben zum Beispiel in eine psychiatrische Ambulanzklinik investiert, die mit Fachpersonal aus 23 Nationen Behandlungen für depressive oder suizidale Meschen in ihrer Muttersprache anbietet, die somit einen leichteren Zugang zu Therapie haben. Die durchschnittliche Wartezeit für einen Therapieplatz in Deutschland beträgt 12 Wochen – diese Zeit haben psychisch erkrankte Menschen nicht.“

Es fängt am Frühstückstisch an: Über „innere und äußere Freiheit“

Weil „hinter Unternehmen ja Menschen“ stünden, liegt es Sumeet Gulati auch im Kuratorium der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS am Herzen, Menschen schon früh in ihrer Entwicklung zu begleiten – damit jede:r das eigene Leben selbst in die Hand nehmen kann, chancengerecht und selbstwirksam. Auch hier geht es ihm darum, eine Grundlage, die Basis – oder eben wieder ein „Ökosystem“ – dafür zu schaffen, dass sich Menschen Fragen zu Teilhabe oder Chancengerechtigkeit überhaupt stellen können. Eine klare Haltung hat Gulati auch zu einem weiteren für uns zentralen Begriff: „Freiheit“. „Man muss zwischen innerer und äußerer Freiheit unterscheiden“, erklärt er im Gespräch. „Dass Kinder überhaupt ein Frühstück bekommen, trägt schon zur inneren Freiheit bei. Angeschlossen daran geht es um die innere Freiheit in der Denkweise, die durch Bildung geschaffen wird und dazu bemächtigt, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen – besonders bei jungen Mädchen und Frauen.“

Die stabilisierende Funktion von Stiftungen hervorheben, Projektvorhaben in der Praxis durchleuchten, Grundlagen für Diskussionen und innere Freiheit schaffen: Diese und weitere Aufgaben wird Sumeet Gulati auch als Kurator unserer Stiftung weiterverfolgen – mit Fokus und für Selbstwirksamkeit.

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